Das Trautonium, Oskar Sala und eine Reise zum Mond

Montag, 13.09.2021 | 20:30 Uhr | UT99 Kinocenter Greiz | Eintritt 12/8€

„Einer der Höhepunkte meiner filmischen Arbeit“

- Oskar Sala über „A Voyage to the Moon“ -

Film von Manfred Durniok – Live-Vertonung von Peter Pichler

Fünf Jahrzehnte war Manfred Durniok unterwegs als Filmemacher, Regisseur, Produzent und Autor, über alle geografischen und politischen Grenzen hinweg. Er kam aus der geteilten Stadt Berlin und ließ sich von Grenzen nie abhalten – weder von den politischen zwischen West- und Osteuropa, noch von kulturellen, zum nahen Osten oder zu den fernen Ländern Asiens.
Als Filmemacher gestartet und in der Welt des Films unterwegs, fand er sich als Vermittler und Dialogstifter zwischen den Kulturen wieder.

1974 kam er mit mehreren Farbfilm Rollen zu Oskar Sala. Sala (1910 - 2002) hatte das Trautonium des Friedrich Trautwein zum Mixturtrautonium weiterentwickelt und vertonte auf diesem Ur-Vater des Synthesizers über 400 Filme vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sala war schier begeistert von dem Material. Denn die Rollen beinhalteten nichts Geringeres als rohes Farbfilmmaterial der NASA über die verschiedenen Mondflüge. Daraus schnitten die beiden einen außergewöhnlichen Dokumentarfilm mit weitgehend unbekannten Weltraumszenen, den Oskar Sala ausschließlich mit seinem Mixturtrautonium vertonte.

„A Voyage to the Moon“ beschreibt eine Reise zum Mond vom Start über verschiedene Experimente und Schwierigkeiten in der Schwerelosigkeit und auf dem Mond und auch die sichere Rückkehr zur Erde. Auf äußerst unterhaltsame Weise nimmt der Zuschauer am Leben in den Raketen und auf dem Mond teil und erhält auch Einblicke in den nicht immer ganz ernsten und wissenschaftlichen Alltag an Bord. Kurz gesagt: Der Film gelang äußerst unterhaltsam und kurzweilig.
Wie z.B. gelangt eine Amerikanische Flagge mit sehr geringer Schwerkraft in diesen harten Boden...?

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Foto: Peter Pichler

Durch die Vertonung mit dem Mixturtrautonium erhielt der Weltraum damals schon einen ganz speziellen „Filmsound“, den wir bis heute bei Science Fiction Filmen in dieser Art hören und auch inzwischen erwarten - und das obwohl Töne und Geräusche im Weltraum alles andere als eine Selbstverständlichkeit sind. Oskar Sala war der einzige Virtuose auf diesem komplexen Instrument und da er keine Schüler unterrichtete schien das Trautonium nach seinem Tod nur noch in der Retrospektive zu existieren.

Peter Pichler allerdings ist seit langem fasziniert von dem Instrument und spielt es, auch durch seine klassische musikalische Ausbildung, virtuos in all seinen Facetten.

Er vertont den Dokumentarfilm „A Voyage to the Moon“ (ca. 55 min.) von Manfred Durniok LIVE am Mixturtrautonium.

Peter Pichler

Foto: Dietmar Zwick

PETER PICHLER aus München ist ein Grenzgänger zwischen verschiedenen Kunstformen.

Er ist heute einer der wenigen Musiker, die das Trautonium bzw. Mixturtrautonium beherrschen und der einzige der live damit auftritt. Aufgrund seiner klassischen Ausbildung kann er die Vielseitigkeit dieses Ur-Vaters des Synthesizers in verschiedenen Genres einsetzen.


Mit dem Trautonium, verbindet ihn eine langjährige Faszination für den außergewöhnlichen Klang und die umfangreichen musikalischen Möglichkeiten des Instruments. „Pichler ist derzeit wohl der größte lebende Trautonium-Virtuose“ (Süddeutsche Zeitung) . Er spielt sowohl die zeitgenössische, klassische Literatur für Trautonium und Mixturtrautonium als auch Filmmusiken und eigene Kompositionen. Er bringt die einzigartigen Sounds des Trautoniums aus dem Museum in die heutige Musikwelt.

Mit kaum 14 Jahren fand Pichler in seiner Punkband CONDOM die Möglichkeit seiner Haltung musikalisch Ausdruck zu verleihen. Das Verbot der ersten Single und die folgende Verhaftung aufgrund „Obrigkeits- beleidigendem Textgutes“ folgten auf dem Fuße.

Pichler studierte klassische Gitarre und Renaissance Laute am Mozarteum Salzburg, dem Leopold Mozart Konservatorium Augsburg und der staatl. Hochschule für Musik in Karlsruhe. Er ist Preisträger des bayerischen Förderpreises des Landeshauptstadt München und anderer Wettbewerbe. Er komponiert für Film, Fernsehen und Theater (z.B. Münchner Kammerspiele) und ist als Musiker, musikalischer Leiter und Arrangeur bei Peter Licht, Funny van Dannen und Hans Söllner Produktionen beteiligt; ferner als Komponist, musikalischer Dramaturg und Musiker bei diversen freien und öffentlichen Theaterinszenierungen.

In den 90er Jahren tourte er mit seiner Avantgarde Popband NO GOODS durch Europa.

Im Februar 2017 erschien Pichlers erste CD mit bislang unveröffentlichten Werken für Trautonium von Harald Genzmer. „From Post War Sounds to Early Krautrock“ (Label: paladino, Wien)
Im April 2019 führte er das Trautonium erstmals in dessen 90-jähriger Geschichte aus Europa heraus auf Konzerttournee durch Australien.

Mehr Informationen zu Peter Pichler und seiner Arbeit mit dem Trautonium finden Sie hier: www.peterpichler-trautonium.com