Geschichte


Der Greizer Theaterherbst ist ein sozio-kulturelles Projekt. Es führt Amateure und nationale wie internationale Theaterprofis, darunter Schauspieler, Regisseure, Dramaturgen und Tänzer, aber auch Bildende Künstler und Musiker zusammen. In gemeinsamer Arbeit über mehrere Monate werden in verschiedenen Werkstätten Theaterstücke, Performances und Aufführungen entwickelt, die in einer Festival-Woche ihre Premiere haben.

Ziel des Greizer Theaterherbstes ist es, Menschen jedes Alters, in erster Linie jedoch Jugendliche, mit den vielfältigen Formen des Theaters bekannt zu machen. Unter Anleitung erfahrener Dozenten erlernen sie Grundlagen schauspielerischen Könnens, der Regieführung und der Bühnengestaltung. Begleitende Werkstätten widmen sich zudem Sparten wie Journalismus, Fotografie, Video, Gestaltung und Musik.

Der soziale Aspekt ergibt sich aus der Arbeit mit den Menschen. Sie erhalten eine Aufgabe, können sich ausprobieren und künstlerische Ausdrucksformen kreieren. Sie werden so in einem insgesamt strukturschwachen Gebiet mit hoher Arbeitslosigkeit zur Eigeninitiative und zu schöpferischem Wirken animiert.

Initiiert wurde der Greizer Theaterherbst 1991. Das Festival gewann seither kontinuierlich an Ausstrahlung und Qualität. Es etablierte sich 1992 als eines der bedeutendsten Kulturereignisse der Stadt und des Landkreises Greiz sowie der ostthüringischen und westsächsischen Region. Sein Ansehen verschaffte sich der Greizer Theaterherbst dabei einerseits durch die bundesweit einzigartige Konzeption, die intensive gemeinsame Theaterarbeit von Amateuren und Profis über einen längeren Zeitraum. Andererseits erregte das Festival Aufsehen durch das Nutzen ausgefallener Aufführungsorte sowie durch Gastspiele internationaler Schauspielgruppen, unter anderem aus Rußland, Italien, Frankreich, der Tschechischen und der Slowakischen Republik sowie aus Bulgarien, Polen, der Schweiz, Holland, Belgien.

Neben Gastspielen während der Festival-Woche geht der Greizer Theaterherbst selbst mit seinen eigenen Produktionen auf Tournee. Erfolgreiche Aufführungen konnten in Dresden, Jena, aber auch in Krzyzowa (Kreisau) Polen und im Rahmen des vom Greizer Theaterherbst mitorganisierten Jugendtheaterfestivals ,,Junges Theater. Europa. - Quer durch.'' anlässlich von Weimar '99 gefeiert werden. Exemplarisch für den Erfolg des Festivals und die ausgesprochen fruchtbare Arbeit sind Einladungen von Produktionen des Theaterherbstes zu diversen Theatertreffen, so zum Theatertreffen der Jugend in Berlin, zum Kinder-Theater-Festival Reichenbach, zu den Thüringer Theatertagen der Jugend in Erfurt.

Im Jahr 2009 wurde das Projekt Greizer Theaterherbst durch die LAG Soziokultur Thüringen aus der Vielzahl kultureller Projekte in Thüringen ausgewählt und für den Preis für Kulturelle Bildung durch den Bundesbeauftragten für Kultur und Medien vorgeschlagen. Dieser Preis wurde 2009 erstmalig vergeben.

Mit seiner ganzjährig arbeitenden Werkstatt und den daraus hervorgegangenen Stelzenläufern und Weißgeistern ist der Theaterherbst mittlerweile viel gefragter Akteur bei verschiedenen Festen, Umzügen und Firmenjubiläen. Mehrmals gestaltete der Greizer Theaterherbst Veranstaltungen der Bundesgartenschau 2007 Gera und Ronneburg mit oder nahm unter anderem an den Umzügen zum Thüringentag oder anlässlich der 800-Jahr-Feier Dresdens teil.

Seit dem Jahr 2000 veranstaltet der Greizer Theaterherbst e. V. jährlich drei bis vier Tage im Mai ein internationales Jazz-Festival, das Greizer JazzWerk. Auch dabei steht die Arbeit mit Amateuren im Mittelpunkt, denn eine Bigband- und eine Trommelwerkstatt präsentieren zum Greizer JazzWerk das Ergebnis von 3 Monaten Probenarbeit.

Der Greizer Theaterherbst wurde für "sein langjähriges kulturelles Engagement", so die Jury, mit dem Thüringer Kulturpreis 2010, der höchsten Kulturauszeichnung des Freistaates, geehrt. Am 19. November nahmen Vorstand und Mitglieder des Vereins die Würdigung in der Thüringer Staatskanzlei in Erfurt entgegen. "Hier ist ein Samenkorn aufgegangenen und hat reiche Frucht getragen", lobte Thüringens Kultusminister Christoph Matschie (SPD) den Greizer Theaterherbst als "herausragendes Beispiel für die Vielfalt und für das hohe künstlerische Niveau in Thüringen".