Theaterherbst


Michael-Paul Milow ist neuer künstlerischer Leiter des Greizer Theaterherbstes. Der Vorstand des Vereins berief den 1967 in Essen geborenen und in Chemnitz lebenden Schauspieler in das Amt. „Unter meiner künstlerischen Leitung soll der konventionelle Theatergänger nicht durch Avantgarde und Postmoderne und unverständliches Gestammel verschreckt werden, sondern es soll zum Theaterherbst ein besonders vielfältiges Angebot an die Stadt unterbreitet werden, welches von drei bis 99 Jahren genutzt werden kann“, sagt Milow.

Bei seinen jüngsten Besuchen in Greiz habe er mit Freude und viel Neugierde festgestellt, dass der Theaterherbst sich die Papierfabrik als Spielstätte erschlossen hat und dass mit dem 10aRium die kunstinteressierte Jugend anfängt, sich einen Raum zu erschließen, der ebenfalls genutzt werden könne. „Gerade diese Veranstaltungsorte sind für internationale, junge Künstler, welche lustvoll experimentieren, die Grenzen ihres Genres ausloten und in Frage stellen, wie geschaffen und können dazu beitragen, sowohl das Profil der Träger zu schärfen, als auch dem Theaterherbst den Nachwuchs zu sichern“, so Milow. Er stelle sich ein Programm vor, das Puppenspiel oder auf neueste, theaterpädagogische Erkenntnisse beruhende Theaterexperimente für Dreijährige beinhalte, das moderne Tanztheater mit einschließe und ausdrücklich neugierige, interdisziplinäre Projekte begrüße, ohne die „alte Dame“ Schauspiel zu vernachlässigen oder sich dem Musiktheater zu verschließen. „Wenn das Ganze sich dann auch in den Werkstätten niederschlägt und sich in den Gassen von Greiz ausbreitet, hoffe ich auf einen bunten und lebendigen Theaterherbst unter meiner Leitung“, sagt Milow.

Michael-Paul Milow studierte Schauspiel in Hannover und belegte Gastsemester an der Theaterhochschule Amsterdam (School for New Dance Development). Engagements führten ihm nach Konstanz, Wiesbaden und Chemnitz, wo er das Büro für theatrale Strategien leitet. 2009/2010 entwickelte er mit Jugendlichen der Stadt Zschopau das Theater- und Demografieprojekt „Last Exit Zschopau“ und brachte es Aufführung. Seit 2009 ist seine Arbeit zudem fester Bestandteil des Schulkonzeptes des Chemnitzer Schulmodells. In diesem Rahmen entstand unter anderem 2011 „Helden“, das zum Landesschultheatertreffen nach Chemnitz eingeladen wurde. Zu Milows eigenen künstlerischen Produktionen zählen unter anderem 2009 „Shakespeare, Mörder, Pulp & Fiktion“ von John von Düffel (zusammen mit Martin Heesch), 2010 „Play Cechov/Tschechow spielen“ (mit Maike Jebens und Maike Krause) oder 2011 „Willkommen, nichts ist süßer denn die Heimat...“, ein interdisziplinäres Projekt im Chemnitzer Weltecho, das für den Bundeswettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ und dem sächsischen Kunstpreis für Toleranz und Demokratie vorgeschlagen ist. Neben seiner Theatertätigkeit programmierte er noch im Lofft Leipzig die Tanzoffensive 2009 mit und war 2010 künstlerischer Leiter der letzten Chemnitzer Begegnungen anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Namensumbenennung von Karl-Marx-Stadt in Chemnitz. Derzeit kuratiert er für den Landesverband der Freien Theater Sachsen das Festival OFF-ÖLF, das Ende Januar 2012 im Gerhard-Hauptmann-Theater in Zittau stattfinden wird.