Greiz (OTZ/KS.) Drei Abende - drei Schichten im Greizer JazzWerk #3 - drei mal drei Bands von höchster Qualität. Das Resümee des diesjährigen internationalen Jazz-Festivals am Wochenende im „Zapf-Werk“ kann nur lauten: Jedes Konzert war ein Höhepunkt. Jede Gruppe hätte ihre eigene Besprechung verdient. Auch schadete es dem Festival nicht, dass am Sonntag statt des erkrankten italienischen Pianisten Enrico Pieranunzi dessen Schüler Tony Pancella mit seinem Trio einsprang. Im Gegenteil. Pancellas komplexes wie flexibles Spiel am Piano erwies sich mehr als ebenbürtig. Vor allem aber der junge Saxophonist der Formation, Rosario Giuliani, bestach mit an Dynamik und Intelligenz kaum zu überbietenden sowie vor Kraft und Ausdauer strotzenden Soli. Einen Hörgenuss der Extra-Klasse präsentierten am Samstag die aus Sibirien stammende Sängerin Stepanida Borisova und ihr Partner, der tschechische Schlagzeuger Pavel Fait.
Borisovas tief im Schamanentum ihres jakutischen Volks beheimatete, expressive Gesänge ließen die Zuhörer Zeit und Raum vergessen. War dieser Ausflug in eine fremd anmutende Welt ein Erlebnis für sich, bewies das Stefan Heidtmann Projekt am Samstag, dass auch die klassische Besetzung einer Jazz-Band immer wieder mit Stärke und Gehalt begeistern kann. Und das nicht nur, weil sich in dieser Formation mit Trompeter Reiner Winterschladen, dem Tenor- und Alt Saxophonisten Gerd Dudek sowie Schlagzeuger Klaus Kugel die Spitze der deutschen Jazz-Musiker tummelt. Der Pianist und Namensgeber des Projekts, Stefan Heidtmann, stellte sich dabei im JazzWerk ebenso als virtuoser Jazz-Pianist wie als ausgezeichneter Komponist und Arrangeur |
vor. Bei aller Individualität stand die gegenseitige Korrespondenz und gemeinsam erlebte Spielfreude im Mittelpunkt - auch am Freitag bei dem Auftritt des Allan Praskin / Wolfgang Köhler Quartets. Minutenlang verließ der US-Saxophonist Praskin die durchaus klassisch geordnete Struktur der Titel und ließ die Töne frei im Raum schweben, um sich hernach, so als wäre nichts gewesen, wieder in die vereinte Klangmalerei des Quartets einzubringen. Diesem Geist der Improvisation entsprach auch das Spiel von „Plasteline Black Sheep“. Das polnisch-deutsche Trio um den Berliner Schlagzeuger Maurice de Martin zauberte kreative Tonkonstruktionen. Für gute Laune sorgten desgleichen „Elevator Music“ aus Berlin mit einer bemerkenswerten Silke Eberhardt am Saxophon und „Just 4 Brass“. Doch nicht nur die „Gast-Bands“ erregten Aufsehen. Große Anerkennung verdienen ebenso die beiden Werkstatt-Gruppen. So zündeten die 19 Trommler des Percussion Projects unter Leitung des bayerischen Jazzers Siegfried Nachreiner ein rhythmisches Feuerwerk. Standen bei der Percussion-Werkstatt brasilianische und afro-kubanische Rhythmen im Mittelpunkt, waren es beim JazzWerk-Orchester Kompositionen von Altmeister Herbie Hanckock. Unter Leitung von Stephan König, Jazz-Dozent an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater, betörte die mit 24 Musikern wahrlich als XXL-Formation zu bezeichnende Band sowohl mit durchweg imposanter Klangstärke als auch mit imponierenden Soli der Mitglieder. Die tolle Leistung des Orchester wurde zu einem gelungenen Abschluss für ein insgesamt faszinierendes Festival, das schon jetzt Lust auf die Fortsetzung 2003 macht. |