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Greizer JazzWerk
Vogtland Anzeiger vom 23.05.2001
„Greizer JazzWerk #2“
bestätigt seinen Ruf als bedeutendes Jazz - Festival
Exklusive Ton-Produkte lassen keine Wünsche offen
Eine Greizer Manufaktur der besonderen Art, die ihre Produktionsstätte in einer Halle des Greizer Zapf-Werks 1/3 fand, wurde am Wochenende zur Pilgerstätte: das „Greizer JazzWerk #2“. Aus allen Winkeln Ostthüringens und Westsachsen reisten die Jazz-Fans in die thüringische Vogtlandstadt. Angelockt haben die insgesamt rund 700 Besucher acht international besetzte und zugleich international renommierte Jazz-Formationen, die wahrlich exclusive Ton-Produkte feilzubieten hatten.
Jazz der Superlative: Erstmals musizierten in Greiz in einer gemeinsamen Band die japanische Pianistin Aki Takase, Bassclarinettist Rudi Mahall und Schlagzeuger Günter Sommer. Ihre Trio-Arbeit, so verrieten sie, wollen die drei Ausnahme-Musiker übrigens fortsetzen,  die Greizer Premiere war der furiose Anfang.                                                  Fotos: Schaarschmidt
Greiz. - Drei Abende lang arbeiteten sie am Ton. Drei Abende lang erklang ein breites Spektrum der unterschiedlichsten Spielarten des modernen Jazz. Drei Abende lang verführten die Musiker ihr Publikum mit atemberaubenden Kompositionen, mit ausgeklügelten Arrangements und vor allem mit extravaganten wie packenden und einfallsreichen Improvisationen.
Angesichts der Qualität der in diesem Jahr bei dem internationalen Jazz-Festival musizierenden Bands, fällt es schwer, Höhepunkte herauszugreifen. So differenziert die Stile der Bands waren, so unterschiedlich dürfte auch die Favoriten-Reihenfolge beim Auditorium ausfallen. Dennoch. Drei Konzerte seien aus dem hochwertigen Programm herausgegriffen. Beinahe unbeschreiblich ist, was am Samstagabend das erstmals in Greiz gemeinsam auf der Bühne stehende Trio mit der japanischen Pianistin Aki Takase, dem Bassclarinettisten Rudi Mahall und dem Schlagzeuger Günter „Baby“ Sommer ihrem vor Begeisterung vollkommen aus dem Häuschen geratenen Zuhörern vorsetzten.
Die Perfektion, mit der diese drei miteinander musizierten, mit fulminanter Bravour aufeinander eingingen und sich ergänzten, verschlug einem den Atem. Aki Takases innovativ-dynamisches Klavierspiel, Rudi Mahalls ebenso kraftvolle wie ideenreiche Arbeit an der Bassclarinette und „Baby“ Sommers unvergleichliches Agieren am Schlagwerk entfachten ein wahres musikalisches Feuerwerk, das dieses erste gemeinsame Konzert des neuen Trios in eine Sternstunde des Jazz verwandelte. Nicht minder spannend und ebenso witzig, wenngleich ein Scheidepunkt der Geschmäcker: der Auftritt der „Nevergreens“ am Freitagabend mit der britischen Sängerin Maggie Nicols, Joe Sachse,Gitarre und Pinguin Moschner an der Tuba. Akustischer Härtetest oder Vorhof der Genialität - beide Meinungen kämpften bei den Gästen dieses Konzerts um das Vorrecht. Zweifelsfrei jedoch sind die von dem Trio vorgetragenen, berühmten Pop- und Rockklassiker von John Lennon bis Frank Zappa nicht oft in einer solch wilden Bearbeitung zu vernehmen. Vor allem Maggie Nicols vokalistischer Part, der ihren einzigartigen Stimmumfang offenbarte,ließ dieses „JazzWerk“ - Erzeugnis zu einem Ausnahmeerlebnis werden. Aber auch Sachses virtuoses Gitarrenspiel und Moschners Tuba-Improvisationen erzauberten eine schön-schräge Klangwelt.
Mit insgesamt über 40 Musikern definierten das JazzWerk-Orchester und die Percussions-Werkstatt des „JazzWerks“ am Sonntagabend die Größe einer Big Band neu. So steigerten sich zunächst die über 20 Trommler in einen groovenden, rhythmischen Rausch, der binnen weniger Takte auf die Zuhörer übersprang. Unbändige Spielfreude und das Gefühl, dass hier Musik aus dem Herzen kommt, zeigte sich gleichfalls beim anschließenden, fast zwei-stündigen Konzert des JazzWerk-Orchesters. Die zu Gehör gebrachten, oft höchst schwierigen Kompositionen von Thelonius Monk und Charles Mingus bewältigte der allein mit 15(!) Bläsern hochgerüstete Klangkörper meisterlich. Sowohl die Band insgesamt als auch die von Mitgliedern vorgetragenen Soli erzeugten einen vor Kraft und Spielwut strotzenden wie mitreißenden Sound. Und sie bewiesen, dass in den Monaten der gemeinsamen Arbeit mit den beiden Werkstatt-Leitern, Harald „Jonny“ Pickel,Bass und Siegfried „Lee“ Nachreiner,Trompete, ganze Arbeit geleiste wurde.
Aber auch alle anderen Bands des „JazzWerks“ müssen sich nicht verstecken. So lieferte der Altmeister am Tenorsaxofon, Heinz Sauer, mit seinem Quartett einen grandiosen Auftritt; die blutjungen Musiker des Jürgen Friedrich Quartett präsentierten sich als zu Recht als Ausnahme-Talente der europäischen Jazz-Szene gepriesene Musiker; der tschechische Jazz-Flötist Jiri Stivin fesselte mit seinem Duo-Partner Ali Haurand,Bass, mit einer Musik, die dem Jazz auch klassische Elemente beifügt; das polnische Duo Angelika Niescier,Saxofon, und Andre Nendza,Bass, begeisterten mit ihrer gefühlvollen wie anspruchsvollen Klangsprache; und das deutsch-australische Trio „Space of Colours“ brachte ein von musikalischer Vielfalt und zahlreichen folkloristischen Anteilen getragenes Konzert zu Gehör. Alles in allem eindeutige Beweise, die den Status des „Greizer JazzWerks“ als bedeutentes Festival des modernen Jazz in weitem Umkreis unterstreichen.      /ks

Altmeister am Tenorsaxofon: Heinz Sauer brillierte beim Greizer „JazzWerk“ mit seinem unnachahmlichen Ton.

Vogtland Anzeiger vom 23.05.2001

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Letzte Aktualisierung: 09.08.2010   |   E-Mail: Greizer@Theaterherbst.de   |   © 2002 Greizer Theaterherbst