GREIZ -
(OTZ/Korr.). Um es vorweg zu nehmen: einen Tick haben die Figuren im gleichnamigen Stück nach Daniil Charms alle. Kein Wunder, weiß doch keiner der Protagonisten, wer und wo er ist, geschweige denn, woher er kommt. Und was auch immer der genaue Grund für die Flucht aus dem eigenen Leben ist, Fakt ist, dass jeder mit seinem unzufrieden ist. Mitten hinein in diesen Haufen Frustrierter wird der Zuschauer in der Inszenierung "Tick" der Schauspiel-Werkstatt geworfen, das am Montag im Theater Premiere hatte.
Autoreifen, Dreck, eine Parkbank mit Decke, ein alter Herd - trostlos sieht es auf der Straße aus, in der die verschiedenen Charaktere aufeinander treffen. Eigentlich nichts für die divenhafte Frau, die gern eine Prinzessin wäre. Die auf Widerstand programmierte Punkerin scheint es dagegen nicht zu stören. Die Umgebung spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle.
Es sind die Schicksale, die - wenn auch bruchstückhaft oder manchmal ganz und gar unverständlich erzählt - zum Publikum dringen sollen. Neue Beziehungen und Konkurrenzen eingeschlossen.
Inszeniert hat das schräge Stück Heike Hanefeld. Die
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Musikwissenschaftlerin arbeitet seit 1990 als Regisseur, vor allem an diversen Opern- und Konzerthäusern und bei freien Theaterprojekten. Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt u. a. im Inszenieren eigener Musik-Text-Collagen. Musik und Sprache kombinierte sie so auch bei "Tick", womit sie dem Stück eine beeindruckende Dynamik verlieh. Dem spielfreudigen Schauspiel-Team gelang es, den häufig nur aus Wortfetzen zusammen gesetzten Text glaubhaft rüberzubringen. Jeder der Jungschauspieler ging in seiner Rolle auf, lebte sie 45 Minuten lang sogar. Dabei zusehen, machte Spaß. Langeweile konnte bei dem Getobe auf der Bühne sowieso nicht aufkommen.
Was genau Autor Daniil Charms, der als einer der Begründer des absurden Theaters gilt, mit dem Stück wollte, bleibt offen. Interpretationsansätze bieten sich jede Menge. "Es geht um Jugendliche in der Pubertät, die keiner versteht", meint Eileen Rother aus Göttendorf. Die 16-jährige ist überzeugt, dass viele Erwachsene denken, junge Leute hätten einen Tick. Sollte Gekreische und Türknallen, wie auf der Bühne vorgeführt, zum Pubertieren gehören, könnte man allerdings tatsächlich zu diesem Schluss gelangen. Katja Grieser
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