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| Vogtland-Anzeiger vom 17. September 2004 |
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| Geheimnisvolles, Märchenhaftes und Nachdenkliches |
 Erde, Feuer, Wasser und Luft im Zoff: In der Kinderschauspielwerkstatt "Das große Geheimnis" fragten sich Feuer, Erde, Wasser und Luft, wer das wichtigste Element ist. Foto: Schaarschmidt |
| GREIZ - Helden wirken anziehend. Zumindest Theater-helden auf Theaterpublikum. Für den XIII. Greizer Theaterherbst und sein Motto ,,Heldenzeit'' bedeutet das ausverkaufte Vorstellungen. Helden liefern aber ebenso Gründe zum Nachdenken, zum Lachen und zum Traurigsein. Und auch das bietet der Theaterherbst - wie immer auf hohem künstlerischen Niveau.
GREIZ - Die Botschaft ist einfach, aber stets aktuell: Nur Toleranz, Akzeptanz und Gemeinsamkeit führen zum Ziel und zum Frieden, alles, jedes und jeder besitzt seine Bedeutung. Genau diese Botschaft verbarg ,,Das große Geheimnis'', das die Kinderschauspielwerkstatt des XIII. Greizer Theaterherbst am Sonntag lüftete. Die Mädchen und Jungen, alle im Alter um die zehn Jahre, schlüpfen in dem von Musik, Bewegung, Tanz und Gesang geprägten Spiel in die Rolle der vier Elemente. Als dann stritten sich Erde, Luft, Wasser und Feuer, wer denn nun das Wichtigste sei - um rasch zu erkennen, dass keines ohne das andere existieren kann.
Gabriele Bocek, Theatermacherin aus Zwickau und Leiterin der Werkstatt, gelang es mit den Kindern ein phantasievolles und gern anzusehendes Stück Bewegungstheater auf die Bühne zu bringen. Vor allem aber freute es, den Kinder zu folgen, so unbekümmert und zugleich ernsthaft verkörperten sie ihre Rollen. In der Rolle des Jägers präsentierte sich am Sonntagnachmittag im Pferdestall des Oberen Schlosses Matthias Friedrich. Der Berliner Schauspieler erzählte das Märchen vom Rotkäppchen in einer Inszenierung des Theaters des Lachens, Frankfurt/Oder. In der Verbindung von Schauspieler- und Puppentheater begeisterte Friedrich sowohl das kleine als auch das große Publikum, nicht zuletzt auch dank der ideenreichen wie unterhaltsamen Darbietung des alten Märchenstoffs.
Mit Märchen hatten die Figuren, die am Sonntag- und Montagabend die Theaterherbstbühne betraten, wenig zu tun: Dafür vielmehr mit den dunkelsten Seiten deutscher Vergangenheit und Gegenwart. Mit 22(!) aktiven Darstellern, über 100 Lichtstimmungen und zahlreichen Szenenbildern vollbrachte die Werkstatt Musical unter Leitung von Sandra von Holn, Leipzig, mit den Stück ,,Sara'' nicht nur umsetzungstechnisch eine Mammutleistung. Die Inszenierung drang, was viel
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wichtiger ist, in die Herzen der gut 400 Zuschauer. Am Montagabend begleitete das Publikum die Jugend des jüdischen Mädchens Inge im Berlin des Nationalsozialismus. Das Mädchen erlebt den Terror der Nazis, versteckt sich vor den Verfolgern und trifft Menschen, die ihr helfen. Mit einer schier unglaublichen Ensembleleistung erreichten die Spieler das scheinbar Unmögliche: Sie stellten auf der Bühne das fast nicht Darstellbare dar, ließen Leid, Not, aber auch kleine Freuden und Hoffnung eines jüdischen Mädchens in der Nazizeit so realistisch werden, dass einem der Atem stockte. Der Dank der Zuschauer waren minutenlange Ovationen - für jeden Mitwirkenden und für die Leiterin der Werkstatt, die ebenso wie die Akteure Großartiges geleistet hat. Ein Jugendlicher, der aus diesem Kapitel deutscher Geschichte nichts gelernt hat, stand im Mittelpunkt des Stücks ,,Hallo Nazi!'', das am Sonntagabend vom renommierten Berliner Grips-Theater aufgeführt wurde. Rudi, ein Neonazi, sitzt nach einem Überfall auf polnische Schwarzarbeiter mit Jan, einem der Überfallenen, in einer Zelle. Beide werden von Erich, einem jungen deutschen Polizisten, bewacht. Eine Situation, die Konflikte provoziert - und eine Auseinandersetzung der ,,Standpunkte''. Frank Engelhardt (Rudi), Markus Friedmann (Jan) und Jörg Westphal (Erich) agierten dabei so kraftvoll und mit solcher großer Authentizität, dass die Bühne zur erschreckend nahen Wirklichkeit wurde.
Gut zu wissen, dass es dann doch noch wahre Helden von Super- bis Feuerwehrmann gibt. Diese und alle anderen guten Helden des Alltags staffiert ,,Der Heldenladen'' aus. Am Montagnachmittag wurde dieses außergewöhnliche Ladengeschäft von den Mitwirkenden der Werkstatt Gestaltung eröffnet. Unter Leitung der in London arbeitenden Bühnenbildnerin Martina von Holn entwickelten die Teilnehmer nicht nur eine zum Thema passende Ladengestaltung, sondern auch einen spaßigen wie aufregenden Actionparcours für alle, die schon immer einmal Held sein wollten. Übrigens, wer seine Heldenhaftigkeit unter Beweis stellen will: Bis Freitag ist der Heldenladen in der Greizer Schlossbergstraße noch geöffnet.
Karsten Schaarschmidt |
 Bedrückend realistisch: In dem Stück "Hallo Nazi" führen die Spieler des Berliner Grips-Theaters einen Neonazi,einen polnischen Schwarzarbeiter und einen deutschen Polizisten zusammen. Foto: Schaarschmidt |
Vogtland-Anzeiger vom 17. September 2004
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