Olbernhau. Was passiert, wenn die Spitzenkräfte der Wirtschaft selber arbeitslos werden? Eine Antwort auf diese hypothetische Frage gaben am Sonnabend acht Laienschauspieler aus Greiz im Olbernhauer Theater Variabel. Die Mimen des "G.Reiz Theater" aus der thüringischen Kleinstadt präsentierten das Stück "Top dogs", was übersetzt so viel bedeutet wie "Die Super Chefs".
Regie für das vom Schweizer Urs Widmer verfasste Stück führte Sandra von Holn. Sie hatte das Werk auf zirka 70 Minuten gekürzt und bearbeitet. Die Hauptfiguren sind allesamt Spitzen-Manager, die einst in Größenordnungen ihre Mitarbeiter entließen. Am Ende blieben nur noch sie selbst übrig - und wurden gefeuert. Nun finden sie sich in
|
einem Seminar wieder, wo sie erkennen müssen, dass sie ganz unten angelangt sind. Keine Dienstwagen mehr und keine Krekitkarten.
Es gilt in Rollenspielen zu lernen, wieder neu anzufangen. In acht Geschichten finden die Helden des Stückes wieder zu sich. Die nicht ganz einfach darzustellenden Charaktere der gefeuerten Bosse verkörperten die Laien überraschend überzeugend. Etwa der weinerliche Herr Kause, der - gespielt von Torsten Schemmel - anfangs schüchtern und geradezu ängstlich jeden Kontakt scheut. Er geht im Rollenspiel völlig aus sich heraus. Am Schluss erkennt der Ex-Top-Manager seine Fehler und ist anschließend wieder fit sowohl für
|
zwischenmenschliche Beziehungen
als auch für einen neuen Job. Auch Herr Neuenschwander - gespielt von
Jörg Flessa - vollzieht eine wunder-same Wandlung. Vom Tyrannen, der seine Macht missbraucht und seine Frau (Antje Freese) schlägt, entwickelt er sich zu einem Softie, der dann sogar den Hausmüll zur Abfalltonne bringt.
Gunnar Rug vom Theater Variabel zollte den Akteuren nach der Vorstellung große Anerkennung. Sprache, Gestik und Mimik hätten wunderbar miteinander harmoniert. Dem Publikum hatte die Vorstellung einfach nur gefallen. Das bestätigte der lang anhaltende Applaus am Ende, der die Laienschauspieler dreimal auf die Bühne holte.
Jan Görner |