Nur wenige Musiker sind so vielseitig und tiefschürfend wie Bennie Wallace. Seine Aufnahmen als Bandleader weisen ein weites Spektrum an Sidemen auf, darunter Größen wie Tommy Flanagan, Stevie Ray Vaughan, Dr. John, Elvin Jones, Dave Holland und Chick Corea. Der in Tennessee geborene Wallace hat in Zusammenarbeit mit Blues- und Gospelmusikern außerdem immer wieder seine Südstaaten-Roots offenbart. Seine umfangreiche musikalische Palette erregte auch das Interesse der großen Hollywood-Studios, für die er als Komponist und musikalischer Leiter bei einer Reihe von Filmen tätig war, darunter "Blaze" (mit Paul Newman), "White Men Can't Jump" und "Bull Durham".
Seine neueste CD "Disorder At The Border" reflektiert Wallace' langjährige Beschäftigung mit Coleman Hawkins, dem "Vater des Jazz-Saxophons". Das Album wurde beim Berliner JazzFest 2004 mitgeschnitten und präsentiert ausschließlich Stücke aus Hawkins' Repertoire. Coleman Hawkins (1904-1969) war der erste wichtige Jazzsolist am Saxophon und setzte technische und formale Maßstäbe, die auf Jahrzehnte hinaus gültig waren. Sein harter, muskulöser, erdiger Sound klingt nicht nur lebhaft in Wallace' Spiel nach, Hawkins' historische Aufnahmen inspirierten auch Anthony Wilsons Arrangements für Wallace' ALL-Star-Band. Dieses Tribut-Programm spielten Wallace & Co. auch zu Hawkins' 100. Geburtstag am 21. November 2004 im Jazz Standard, New York.
Bennie Wallace ist als Saxophonist eine unwahrscheinliche Mischung: Er besitzt den kräftigen, voluminösen Klang der alten Tenoristen, aber zugleich eine fast avantgardistische Phrasierung und Intervallsprache. Seit seinem Comeback auf die Jazzszene (1997) hat er auf ENJA bereits drei erfolgreiche Alben veröffentlicht: den Gershwin-Tribut "Someone To Watch Over Me" (Rondo: Jazz-CD des Monats), die Live-CD "In Berlin" (Preis der dt. Schallplattenkritik) und das schlagzeuglose Balladen-Album "The Nearness Of You" (Preis der dt. Schallplattenkritik)."Ob funky oder swingend, balladenhaft oder avantgardesk - Wallace glänzt durch die ihm eigene Mischung aus Kraft, individuellem Sound und traditionsbezogener Innovationslust, die ihn zu einem der seltenen Stilisten der Gegenwart macht" (Jazz thing).
Mit auf Tour ist "Swingmonster" Adam Rafferty, ein brillanter Gitarrist, dessen Spiel Erinnerungen an Wes Montgomery und Kenny Burell aufkommen lässt. Alvin Queen am Schlagzeug und Paul Beaudry am Kontrabass - eine Band, die Tradition und Moderne verbindet, ohne in Klischees zu verfallen.
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