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JazzWerk #2 Orchester
JazzWerk #2 Orchester
JazzWerk #2 Orchester
JazzWerk #2 Orchester

JazzWerk #2

Internationales Jazzfestival
18. - 20. Mai 2001 im Zapf-Werk 1/3
( 07973 Greiz, Zeulenrodaer Strasse 6 )
 
Freitag, 18.Mai 2001, 21.00 Uhr

1. Jiri Stivin / Ali Haurand ( CZ / D )
Jiri Stivin (sax,fl,cl)
Ali Haurand (b)

2. Heinz Sauer Quartett ( D )
Heinz Sauer (ts,ss)
Markus Becker (p)
Stephan Schmolck (b)
Bertram Ritter (dr)

3. Nevergreens ( D / GB )
Pinguin Moschner (tuba)
Maggie Nicols (voc)
Joe Sachse (git)
Samstag, 19.Mai 2001, 21.00 Uhr

1. Angelika Niescier & Andre Nendza ( PL )
Angelika Niescier (as,ss)
Andre Nendza (b)

2. Jürgen Friedrich Quartett ( D / F )
Jürgen Friedrich (p)
Claudius Valk (ts,ss)
Volker Heinze (b)
Luc Isenmann (dr)

3. Aki Takase / Rudi Mahall / Günter Sommer-Trio ( Japan / D )
Aki Takase (p)
Rudi Mahall (bcl)
Günter "Baby" Sommer (dr)
Sonntag, 20.Mai 2001, 20.00 Uhr

1. Space of Colours ( D / Australien )
Volker Jaekel (p)
Ralf Zickerick (tb)
Tunji Beier (dr,perc)

2. Jazzwerk # 2 Orchester (Werkstatt des Greizer Theaterherbst)
Leitung: Harald Pickel,Siegfried Nachreiner


DAS 2. INTERNATIONALE JAZZFESTIVAL IN GREIZ

„Greizer JazzWerk # 2“ in den Startlöchern
Ein Interview von Gerda M. Degenhard mit dem Initiator des Festivals, Rudolf Kuhl

D.: Das Festival „Greizer JazzWerk # 1“ war ein großer Erfolg. Wird es in diesem Jahr eine Fortsetzung geben?

K.: Durch den Guten Start im vergangenen Jahr sind alle Zweifel ausgeräumt. Vom 18.-20. Mai 2001 kommen die Jazzfans zum 2. Internationalen Jazzfestival wieder voll auf ihre Kosten. Auch die Werkstätten, in diesem Jahr sind es zwei, haben mit ihrer Arbeit begonnen. Die Percussionswerkstatt probt bereits und auch für die JazzWerk Big Band sind die Vorbereitungen in vollem Gange.

D.: Können Sie etwas zu den einzelnen Musikern sagen?

K.: Zum Trio Takase / Mahall / Sommer: Rudi Mahall wurde besonders durch „Der Rote Bereich“ und die Zusammenarbeit mit Aki Takase bekannt. Er studierte klassische Klarinette und arbeitete u. a. mit Conny Bauer, Alexander von Schlippenbach, Paul Lovens und Herb Robertson zusammen. Auftritte zu Jazzfestivals in New York City, Berlin, Amsterdam, München, Würzburg, Nürnberg, Leverkusen und Köln und Tourneen durch Portugal, Süd- und Ostafrika sind einige seiner Stationen. In Zusammenarbeit mit Aki Takase entstand ein Programm, welches vorwiegend aus Kompositionen des legendären Eric Dolphy besteht, eines der intelligentesten Projekte der letzten Jahre in Deutschland. Die beiden entwickeln in weiten Spannungsbögen eine energiegeladene Synthese aus komponierter und improvisierter Musik, der es auch an Witz nicht fehlt. Takase und Mahall bestechen durch ihr logisches und zugleich emotionales Spiel, wobei sie alle Möglichkeiten ihrer Instrumente ausreizen. Gespannt sein sollte man auf das, was der mit allen Wassern gewaschene „Baby“ Sommer den beiden hinzuzufügen hat. Als einer der besten Schlagzeuger tourte er durch ganz Europa und Japan, spielte zu Jazzfestivals u. a. in New York, Chicago, Donau-Eschingen,..... Sommer, seit 1995 Professor an der Musikhochschule in Dresden, rief zahlreiche Projekte ins Leben. Seine Zusammenarbeit mit Günter Grass, Christa Wolf, Schweizer Alphorn-Bläsern und seine Soloauftritte machen deutlich, dass er das Schlagzeug nicht nur als Rhythmusinstrument versteht.

D.: Jazz hat bekanntlich viele Gesichter. Ist die gesamte Vielfalt des Jazz zum Greizer JazzWerk # 2 zu hören?

K.: Natürlich ist es nicht möglich, alle Facetten des Jazz in drei Tagen zu präsentieren. Außerdem beschränkt sich das JazzWerk auf die modernen Spielarten. Aber in diesem Bereich möchten wir ein möglichst breites Spektrum vorstellen. Der Auftritt des Jürgen Friedrich Quartetts wird sicher eine Freude für alle, die Jazz harmonisch mögen und trotzdem auf Spannung nicht verzichten möchten. Jürgen Friedrich erarbeitete sich nicht nur als Pianist einen hervorragenden Ruf in der Jazz-Szene. Für seine Musik erhielt er eine Reihe von internationalen Kompositionspreisen, 1997 sogar den Gil Evans Preis. Er spielte mit (bzw. komponierte für) Kenny Wheeler, Maria Schneider Orchestra, Uli Beckerhoff, Nils Wogram, Sunday Night Orchestra und vielen anderen. Reichhaltige Harmonien, interessante Formen, intelligente Architektur und lyrische Melodien prägen seinen Stil. Und ganz in diesem Stil musiziert sein Quartett. Klassisch anmutende, verträumte Melodien werden durch die solide Bassarbeit von Volker Heinze, der schon mit Charlie Mariano, Lew Soloff, Gunter Hampel und vielen anderen spielte, vorangetrieben. Ideal dazu das sensible Spiel des französischen Schlagzeugers Luc Isenmann, der es versteht, Spannungen nicht durch Lautstärke, sondern durch polyrhythmische Verdichtungen aufzubauen. Mit kraftvollem Ton und brillanter Technik bringt Tenorsaxofonist Claudius Valk neue Akzente ins Spiel. Immer nachvollziehbar seine Linien, mit klarer Phrasierung, nie atonal, aber bis zur Grenze der Spannung, die diese Musik aushält.

Ein breites stilistisches Spektrum zwischen Jazz, folkloristischen Einflüssen und klassischer Musik bieten Angelika Niescier & André Nendza zu ihrem Konzert am Sonnabend. Der Kontrabassist André Nendza, laut Jazzpodium „einer der vielversprechendsten und wichtigsten jungen Vertreter seines Fachs“, wurde sowohl durch eigene Projekte, als auch die Arbeit mit Charlie Mariano, Alex Acuña, Christoph Spendel u.a. bekannt. Eine Vielzahl von Radio-, TV- und CD- Produktionen verdeutlichen, dass er „an der Schwelle zu einer viel ver-sprechenden Karriere als Musiker und Komponist steht“ (Jazzthing). Die Sopran- und Altsaxofonistin Angelika Niescier konnte bereits mit ihrer Band „sublim“ ein breites Publikum begeistern. Darüber hinaus bestätigt die Arbeit u.a. mit Hennig Berg, Andi Lumpp, Wolfgang Engstfeld, Peter Weiss und Claudius Valk ihre Qualitäten als Improvisatorin mit einem breiten stilistischen Spektrum. Mit ihrem Duo realisieren Niescier und Nendza ihre kammermusikalischen Ambitionen. Solistische Virtuosität trifft hier auf große Spielfreude, phantasievolle Kreativität und strukturelles Denken. Und sicher wird diese Musik durch die Einbeziehung von Ostinati und Elementen der polnischen Folklore einem breiten Publikum zugänglich sein und es mitreißen.

D.: Haben Sie persönliche Favoriten für die Jazztage ?

K.: Natürlich finde ich persönlich alle Bands, die zum JazzWerk # 2 spielen werden, großartig. Aber ich gestehe, dass mich sehr beeindruckt, wenn sich Jazzmusiker über einen langen Zeitraum konsequent einen persönlichen Stil erarbeiten und somit eine unverwechselbare Handschrift haben. Das Trio Takase/Mahall/Sommer habe ich bereits vorgestellt. Ein unbedingtes Muss für jeden Jazz - Freak ist ebenfalls das Heinz Sauer Quartett. Heinz Sauer wurde besonders durch seine fast zwei Jahrzehnte andauernde Arbeit im Albert Mangelsdorff Quintett bzw. Quartett bekannt. Mit seiner expressiven Spielweise hatte der Tenorsaxofonist wesentlichen Anteil am Erfolg dieser Ensembles, und ich habe manche LP des Quartetts besonders wegen ihm erworben. Er ist unbestritten einer der wichtigsten Begründer der eigenständigen, modernen europäischen Jazzmusik. Seit 40 Bühnenjahren feilt Heinz Sauer unermüdlich an seinem unverwechselbaren individuellem Ton und Stil. Einem Ton, den er zum einen warm und zärtlich, aber auch schroff und spröde erklingen lässt, offenbar um dem Klang der menschlichen Stimme am nächsten zu kommen. Und einem Stil, der fern aller Eitelkeiten auf das Wesentliche seiner Musik gerichtet ist. Auf alles überflüssige verzichtend, erzählt er seine Geschichten ohne Geschwätzigkeit, eher sparsam. Ende der 70er Jahre gründete er sein eigenes Quartett. In Greiz spielt der heute 68-Jährige gemeinsam mit dem Pianisten Markus Becker, Stephan Schmolck am Kontrabass und dem Schlagzeuger Bertram Ritter. Sicher eine Besetzung, in der Sauer seinem Ruf als großer Meister der individuell gestalteten Jazzballaden gerecht wird.

D.: Im bisherigen Programmablauf kommen vorwiegend Saxofonisten und Pianisten zu Wort. Gibt es zu dem Festival auch außergewöhnliche Besetzungen zu hören?

K.: Eine eigenwillige Besetzung haben die Nevergreens. Die Sängerin Maggie Nicols aus Großbritannien präsentiert gemeinsam mit Pinguin Moschner an der Tuba und dem Gittaristen Joe Sachse neben eigenen Titeln in diesem Projekt Songs von Jimi Hendrix, John Lennon, Bob Dylan, Frank Zappa und anderen Musikern der Pop-Musik. Von ihnen werden diese Stücke aus den 60er und 70er Jahren allerdings nicht kopiert, sondern mit viel Spaß im neuen Kontext zitiert und er-improvisiert. Maggie Nicols hat das feeling dazu, Zitate und Improvisationen glaubwürdig und spannend zu gestalten und gewürzt mit einem Schuss Ironie anzubieten. Als eine der wichtigsten Sängerinnen der improvisierten Musik arbeitete sie unter anderen mit Julie Driscoll, Irene Schweizer, Phil Minton, Günter Sommer und Conrad Bauer zusammen. Projekte wie die Frauengruppe „Ova“, „Feminist Improvising Group“, „European Women Improvising Group“ und die „Canaille“-Gruppen entstanden durch sie bzw. mit ihr. Auf den außergewöhnlichen Gittaristen an ihrer Seite, Joe Sachse, muss ich sicher nicht näher eingehen, da er hierzulande zur Genüge bekannt ist durch seine Zusammenarbeit u.a. mit Peter Brötzmann, George Lewis, Charlie Mariano, Jack Bruce und Günter Sommer. Sollte noch jemand fragen, was denn nun die Tuba mit Jimi Hendrix zu tun hat, kann ich nur sagen: Das muss man sich selbst anhören, denn es ist unglaublich und nicht zu beschreiben, was Pinguin Moschner diesem, als träge verschrieenen, Instrument entlockt. Als einer der renommiertesten Tubisten Europas gab er schon Solokonzerte in ganz Europa und in Hong Kong, spielte er mit Anthony Braxton, Barre Phillips, Roscoe Mitchell und vielen anderen.

Farbe wird auch die Gruppe Space of Colours ins Spiel bringen, das die Grenzen musikalischer Genres und Traditionen überschreitet. Indische und afrikanische Klänge, Jazz und zeitgenössische expressionistische Improvisation, Einflüsse sakraler Musik und barocke Formen verdichten sich zu einer eigenständigen Klangwelt. So reichhaltig wie die Musik des Trios, so reich ist auch das Instrumentarium von Space of Colours. Posaunist Ralf Zickerick verwendet auch das selten zu hörende Euphonium. Der australische Percussionist Tunji Beier bedient neben den typisch südindischen Trommeln wie Tavil, Dholki, Mridangam und Kanjira auch allerlei höchst eigenwillige, auf Reisen gesammelte Instrumente. Und auch der Pianist und Schöpfer der Kompositionen, Volker Jaekel, wechselt manchmal zu Synthesizer und Portativ - einer eigenhändig konstruierten Kopie der tragbaren Pfeifenorgel aus dem Mittelalter. Bemerkenswert finde ich: Das 1999 gegründete Trio war bereits auf Tournee in Brasilien, Indien, Australien und Sri Lanka.

D.: Und welche Band eröffnet das Festival?

K.: Jiri Stivin, der Multiinstrumentalist und Alleskönner aus Prag wird im Duo mit dem Bassisten Ali Haurand das Greizer JazzWerk # 2 eröffnen. Als führender Flötist der europäischen Jazzszene wird Stivin in seiner humorvollen Art mit verblüffenden Klängen überraschen. Er erspielte sich schon in jungen Jahren in verschiedenen tschechischen Spitzenformationen einen bemerkenswerten Ruf. Im Duo mit Rudolf Dasek tourte durch ganz Europa und wurde zu vielen internationalen Festivals gefeiert. Jiri Stivin hat mit den unterschiedlichsten Jazzmusikern, aber auch mit Chören, Big Bands und sinfonischen Besetzungen (zum Beispiel der Vogtlandphilharmonie Greiz / Reichenbach) zusammengearbeitet. Sein Duo-Partner Ali Haurand, Mitbegründer des European Jazz Ensemble, hatte noch das Glück, mit Jazz-Legenden wie Philly Joe Jones, Ben Webster, Don Byas, John Handy, Bobby Jones und Wilton Gaynair auf Tournee zu gehen. Langjährige Weggefährten waren und sind Gerd Dudek, Alan Skidmore, Tony Oxley, Joachim Kühn, Charlie Mariano und viele mehr. Ich möchte also den Besuchern empfehlen, rechtzeitig zu erscheinen um nicht zu versäumen, wie diese beiden Spitzenmusiker die „Kunst des Duos“ präsentieren.

D.: Und was bietet in diesem Jahr die Big Band-Werkstatt?

K.: In diesem Jahr sind einige Musiker aus der Umgebung von Greiz, aber auch aus Plauen und Rodewisch neu eingestiegen und haben bereits die ersten Proben absolviert. Geprobt wird zur Zeit an Kompositionen von Charles Mingus, Thelonius Monk und anderen Jazz-Größen, natürlich auf die Besetzung der Band zugeschnitten und teilweise in eigenwilligen Bearbeitungen. Die Band ist insgesamt größer als im vergangenen Jahr und hat einen gewaltigen Sound. Außerdem sind über 20 Trommlerinnen in der Percussion-Werkstatt am arbeiten. Sie werden einen eigenen Programmteil erstellen und ich bin sicher, dass ihr rhythmisches Feuerwerk das Publikum begeistern wird.

D.: Ich danke Ihnen für das Interview und wünsche dem Jazz-Werk ein gutes Gelingen.

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Letzte Aktualisierung: 29.06.2010   |   E-Mail: Greizer@Theaterherbst.de   |   © 2001 Greizer Theaterherbst